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Interview: Web 2.0 – Bedeutung, Chancen und Risiken

26. März 2007 | Alexander Pisculla

Im Rahmen des Virtual Roundtable “Web Competence & Responsibility” der CompetenceSite haben sich zahlreiche Vertreter der Medien, Betreiber von Web 2.0 Diensten, Techniker und Berater zum Thema “Web 2.0 – Bedeutung, Chancen und Risiken” geäussert.
Das Interview von Anton Klees (active value) ist hier noch einmal zu lesen:

Frage 1: Bedeutung von Web 2.0 für die virtuelle und reale Welt

Web 2.0. ist in aller Munde und gilt als die Neudefinition des “alten” Internets. Die Euphorischen loben die neuen Qualitäten von Autonomie und Partizipation, die Skeptischen prognostizieren das Ende der Qualität und Machtmissbrauch.
Vor der Bewertung stellt sich aber die Frage der Bedeutung des Phänomens.
Wie wichtig wird Ihrer Meinung nach Web 2.0 überhaupt für die virtuelle wie auch die reale Welt sein bzw. wie umfangreich wird der durch Web 2.0 getriebene Wandel sein? Steht Web 2.0 also für Sie eher für einen fundamentalen Wandel von Ökonomie und Soziologie (“10″ Punkte) oder doch nur für technische Innovationen und eher “lokale” Phänome der Web-Kids-Welt (“0″ Punkte)?
Wo auf dieser 0-bis-10-Skala würden Sie Ihre Web-2.0-Einschätzung verorten?

Mein Wert liegt bei 6.
Weder Web 1.0 noch Web 2.0 sind Garant für Qualität von Inhalten. Der Unterschied zwischen Version 1 und 2 ist die Öffnung für die breite Masse. Nicht nur Nerds können Inhalte ins Netz stellen und eine Community betreiben. Web 2.0 kann zu Demokratisierung des Internets führen. Jeder Inhalt findet seine Zielgruppe, jede Gruppe findet passende Inhalte.

Frage 2: Mittelfristige Visionen und Ideen zur neuen Web 2.0-Welt

Wie werden sich Ihrer Meinung nach die Informations-, Kommunikations- und Kooperations-Strukturen konkret in 5, 10 oder 20 Jahren verändert haben?
Welchen Veränderungen können und müssen z. B. Organisationen wie Netzwerke (Verbände), Medien, Handel und Staat erwarten, und wie stark werden die Veränderungen das Leben als Kunde, Bewerber und Bürger beeinflussen? Themen, die im Zusammenhang mit Web 2.0 diskutiert werden, sind z. B. die neuen Rollen der heutigen und zukunftigen Netzwerk-Akteure (“neue Kunden-Autonomie”, “neue Intermediäre”) oder auch die stärkere Segmentierung in der Web 2.0-Welt (“Nischen-Kommunikation” und “Long-Tail”-Phänomen, man erwartet dort u.a. viele kleine Teil-Communities mit insgesamt großer Bedeutung).
Was sind Ihre Visionen / Ideen zum mittelfristigen Wandel in der Web 2.0-Welt?

In 5 Jahren: Internet ist selbstverständlich in allen Bereichen des täglichen Lebens. Gerade Gruppen organisieren sich übers Internet und es enstehen neue dynamische Gruppen, die nur im und durch das Netz existieren.
In 10 Jahren: hohe Integration – Das internet wird überall sein: TV, Auto, Mobil und Medizintechnik. Es wird zur Infastruktur der Gesellschatf und ein wesentliches Massenmedium. Es wird nicht immer als Internet erkennbar sein. Das IP Protokoll verbindet vieles miteinander und schafft neue Anwendungen aber auch neue Anforderungen an Gesellschaft und Wirtschaft.
In 20 Jahren Bio-Internet. Internet meets Bio-tech.

Frage 3: Heutige Chancen und positive Beispiele in der Web 2.0-Welt
Web 2.0 ist aber nicht nur ein mittelfristiges Thema. Schon heute werden Chancen dieses Themas von besonders agilen “alten” und “neue” Akteuren genutzt.
Was sind Ihrer Meinung nach heute schon wichtige realisierbare Chancen von Web 2.0 für Netzwerke (z. B. Verbände), Organisationen und Privatpersonen?
Wo und wie können diese Akteure also innerhalb einer überschaubaren Zeit echte Nutzen- bzw. Wert-Potenziale realisieren? Welche Beispiele im Web sehen Sie in diesem Sinne schon als gelunge Realisierung dieser Chancen an?

Die Informationsökonomie wird durch Web 2.0 noch mehr Realität. Informationen sind Rohstoff, Produkt und Antrieb für viele Plattformen. Bei Web 2.0 wird dieser Rohstoff teilweise von Nutzern erstellt, von anderen weiterverarbeitet und genutzt. Die Tatsache, dass es immer mehr rechtliche Probleme gibt, deutet darauf hin, dass bestehende Geschäftsmodelle bedroht werden und durch neue ersetzt werden.
Beispiele: Wikipedia, Open BC/ xing.com, LinkedIn

Frage 4: Heutige Risiken und negative Beispiele in der Web 2.0-Welt

Aber auch heute schon zeichnen sich neben den Chancen auch die Schattenseiten des neuen Web 2.0-Phänomens ab (z. B. “Digitale Lynch-Justiz”).
Was sind Ihrer Meinung nach heute schon relevante Risiken von Web 2.0 für Netzwerke (Verbände), Organisationen und Privatpersonen? Was sind für Sie negative Beispiele oder negative Teilaspekte des Web 2.0-Phänomens?

Das Beispiel StudiVZ zeigt doch sehr deutlich, dass einige Plattformen mit dem Thema Datensicherheit und Datenschutz nicht professionell umgehen und das Wachstum der Plattform nicht managen können. Obwohl die Plattform durch Holtzbrinck übernommen wurde und viel Kapital bereitgestellt wurde, sind die Nutzer den bekannten Risiken ausgesetzt. Das eigentliche Interesse scheint bei StudiVZ darin zu liegen Nutzerprofile zu sammeln, und daraus ein Businessmodell zu entwickeln. Das dabei Nutzerinteressen auf der Strecke bleiben, wundert nicht.

Frage 5: Autonomie der Partner

Zentrale Herausforderungen zur Abwehr von Risiken im Web 2.0 werden sicherlich die Wahrung der Autonomie der Akteure, die Sicherstellung von Partnerschaftlichkeit im Netzwerk und die Qualitäts- bzw. Wertorientierung sein.
Wie kann im Web 2.0 die Autonomie aller Partner (Betreiber, Organisationen, Privatpersonen) innerhalb und außerhalb derPlattformen gewährleistet werden?
Welche Bedeutung ordnen Sie dabei z. B.Themen wie der Offenheit der Web 2.0 Netzwerke (Eintritt, Austritt, Ausschluss), der Nutzung-Souveränität im Bezug auf die eigenen Daten, Strukturen etc. oder dem Schutz vor “Bashing” zu?

Eine gelungene Mischung aus Regeln und Offenheit. Die Selbstregulierungsmechanismen sollten nicht unterschätzt werden. Der nächste Anbieter ist nur einen Klick entfernt und schlechtes Verhalten verbreitet sich sehr schnell im Netz. Es sollte „Rules of conduct“ für die Betreiber einer Community geben. Auf der anderen Seite müssen Nutzer ihre digitale Identität schützen können und auch das Wissen haben, welchen Regeln im Netz beachtet werden müssen, damit die digitale Identität nicht beschädigt wird.

Frage 6: Partnerschaftlichkeit und faire Partizipation der Partner

Wie kann Partnerschaftlichkeit und faire Partizipation im Web 2.0 sichergestellt werden, z. B. Mitbestimmung zu Strukturen (Beiräte, Adminstratoren, Themen) oder Beteiligung an der Wertschöpfung im Netzwerk (was hat der Kunde vom Self Service und wie profitiert der Networker von der Netwerk-Wertschöpfung?). Wie gelingen Konfliktlösungen? Wie verhindert man die Diktatur/Dominanz der Schnellen, Penetranten? … Existieren hier schon ausreichende Lösungen?

Auch hier gilt: Eine gelungene Mischung aus Regeln und Offenheit. Die Selbstregulierungsmechanismen sollten nicht unterschätzt werden.

Frage 7: Schwarm-Intelligenz versus Bashing, Qualität in Web 2.0

Während eine zeitlang, vor allem in der akademischen Community, kollektive Intelligenz und Schwarmintelligenz dafür standen, dass in freien Netzwerken alles von “unsichtbarer” Hand zu Wohle aller geregelt wird, ist es nun gerade das Schwarm-Phänomen das im Web 2.0 bedrohlich wirkt (Bashing, Lynch-Justiz).
Anarchie scheint hier also nicht die Lösung zu sein, um im Netzwerk Qualität, Wert und Sinn sicherzustellen. Welche Strukturen und Prozesse könnten Ihrer Meinung nach für ein qualitatives, wertschaffendes Web 2.0 hilfreich sein?

Die Qualität der Inhalte und das Verhalten der Nutzer ist ein Spiegelbild der Offline-Realität. Am Beispiel Second Life kann man modellhaft erkennen, wie sich Web 2.0 Welten entwickeln. Second Life hat Sex, Kriminalität und teilweise sehr schlichte Angebote, wie es sie in der realen Welt auch gibt. Die Selbstregulierung der Nutzer und das richtige Management des Betreibes können dafür sorgen, dass keine der nicht erwünschten Angebote überhand gewinnt.

Frage 8: Eigene Web 2.0 Agenda

Inwieweit ist Web 2.0 auch für Sie und Ihre Organisation ein Thema? An welchen aktuellen Projekte / Aktivitäten mit Web 2.0-Bezug wirken Sie zur Zeit? Was können Sie Web 2.0- Interessierten als Einstieg in das Thema empfehlen?
Was sind Ihre Web 2.0 und sonstigen Pläne für die nächsten 24 Monate?

Second Life
Web2Null
Seitwert
Web 2.0 und IPTV zusammenbringen
Web 2.0 und Mobile

Interview als PDF
Übersicht über alle Interviews

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