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Unternehmens-Twitter: Alles Hype? 10 aktuelle Fragen und Antworten

31. Juli 2008 | Pamela Moucha

Heute schon gezwitschert?Heute schon gezwitschert? – Second Life war Hype und ist mittlerweile wieder leise aus dem Rampenlicht heraus in den Hintergrund getreten. Bei Twitter verhält sich das anders. Eindeutige Tendenz: Aufwärtstrend.

Seit der Gründung vor gut zwei Jahren im März 2006 erfreut sich Twitter eines stetig wachsenden Erfolgs und einer kontinuierlich zunehmenden Tweeterschaft. Aus dem anfangs vielleicht noch gehypten Trend für jugendliche Chatter ist längst ein Dauerbrenner geworden, den auch immer mehr Unternehmen für sich entdecken.

Nachdem unternehmenseigene Blogs und Wikis mittlerweile als etabliert gelten können, tasten sich immer mehr Unternehmen auch an Twitter heran. Das Corporate Micro-Blogging dient dabei sowohl der internen Kommunikation etwa bei der Koordination von Projekten als auch der externen Darstellung und dem Dialog mit dem Kunden.

Da viele Unternehmen aber immer noch zögerlich fragen “Was bringt’s?” und das Potenzial, das Twitter bietet, noch nicht so recht für sich erkennen können, hier einige Aspekte zum Twittern im Unternehmen:

1. Welche Unternehmen tun es?
Relativ weit verbreitet ist das Twittern in der Medienbranche, etwa bei Sevenload und Deutsche Welle, aber auch in Redaktionen von Tageszeitungen und Zeitschriften wie NZZ, Titanic oder Stern. Hier wird Twitter meist aber nicht als generisches Micro-Blogging-Tool, sondern einspurig in Form eines News-Feeds verwendet, d.h. der User liest, twittert aber nicht mit.
Größtenteils dialogisch eingesetzt wird Twitter hingegen von Agenturen (z.B. sinnerschrader, conosco), im Bereich Technologie (z.B. newthinking store) und Transport (Deutsche Bahn) wie auf Internetportalen (etwa Qype). Auch Blogs twittern, zum Beispiel das Web2.0-Sammelalbum; hier ist Twitter sozusagen die konzentrierte Bündelung des Bloggeschehens.
Auffällig ist außerdem der breite Einsatz von Twitter durch Unternehmen der Genuss- und Nahrungsmittelbranche wie etwa MyMuesli.
Zu den populärsten Twittern, den Top 100 sozusagen, gehören Größen wie Barack Obama, Tim O’Reilly, Guy Kawasaki, Michael Arrington, John Edwards und Institutionen wie CNN Breaking News, Technorati, Macworld, macrumors, CNET News.com und woot.

2. Wie twittern Unternehmen?
Getwittert wird entweder intern, was vergleichbar ist mit unternehmenseigenem Intranet oder Mailing, oder extern im Kundendialog. Zweiteres findet entweder one-way, d.h in Form von Feeds statt, so dass die Chat-Streams von den Followern nur mitverfolgt werden können, oder dialogisch, d.h. Kunden fragen und kommentieren, Twitter-Autoren reagieren auf Anregungen, beantworten Fragen und informieren.

3. Was wird über Twitter kommuniziert?
One-way ist Twitter ein Kanal, um kurz und knapp (man erinnere sich: max. 140 Zeichen) Produktinformationen zu liefern, Aktionen zu promoten und über aktuelle Serviceangebote zu informieren. Twitter von Redaktionen wie beispielsweise Welt kompakt liefern außerdem interessante Einblicke in den redaktionellen Alltag, in Arbeits- und Projektabläufe.

Mit Dialogfunktion ist Twitter ein Tool, das Unternehmen erlaubt, aktuell und ungefiltert mit dem Kunden zu kommunizieren und dabei zu erfahren, was dieser zum Beispiel über ein Produkt denkt. Unternehmen aller Branchen können also auf diese Weise wertvolle Informationen für die Produktentwicklung gewinnen.

4. Welche Ziel verfolgen Unternehmen mit Twitter?
An direkten und indirekten Zielen lässt sich stichwortartig aufzählen: Informationen über Produkte, Aktionen etc. geben und via Feedback auch ungefiltert erhalten, durch persönliche Ansprache die Kundenzufriedenheit steigern und Vertrauen in die Marke herstellen, Trends früh wahrnehmen und dort wahrnehmen können, wo sie sich formieren: beim Konsumenten bzw. User. Auf sich aufmerksam machen, Follower und Traffic für das Unternehmen generieren: Twitter ist, richtig eingesetzt, ein gutes PR-Instrument.

5. Welche Voraussetzungen bestehen für den erfolgreichen Einsatz von Twitter?
Wichtigste Voraussetzung ist sicherlich die Ansprache durch Mitarbeiter des Unternehmens. Einige Twitter werden sogar von der Geschäftsführung selbst geführt. So zum Beispiel twittern Sevenload-Chef Ibrahim Evsan, Xing-Boss Lars Hinrichs und im Saftblog die Chefin der Kelterei Walther, Kirstin Walther, höchst persönlich.

6. Wo liegen die Vorzüge von Twitter gegenüber anderen Echtzeit-Applikationen?
In der Kürze liegt die Würze. Eine Twitter-Kommunikation zu unterhalten erfordert zwar kontinuierlichen Einsatz, ist aufgrund der Längenbeschränkung aber in der Regel mit wenig Rechercheaufwand verbunden. Konzentration auf das Wesentliche, ohne langatmige Ausführungen. Damit trifft Twitter den Nerv eines Kommunikationstrends, der sich – möglicherweise als Strategie im Umgang mit Informationsvielfalt und -überflutung – sicherlich weiter durchsetzen wird: Kurz, Schnell, Aktuell.

7. Inwiefern ist ein Unternehmenstwitter ein nützliches Marketing-Tool?
Die in der Vergangenheit übliche Form des Kundenmanagements sah meist so aus, dass anonyme Service-Hotline-Mitarbeiter Kundenanliegen registriert und weitergeleitet haben. Dabei blieb es aber oft. Auf ein Feedback konnten Anrufer wohl in den seltensten Fällen hoffen. Über die persönliche und direkte Ansprache des Micro-Bloggings hingegen macht der Kunde die Erfahrung, dass er wichtig ist und seine Fragen ernst genommen werden. Der unmittelbare Kontakt zwischen Kunde und Unternehmen über Fragen, Kritik, Anregungen einerseits und Antworten andererseits schafft zudem eine wertvolle Vertrauensbasis. Kundenvertauen und Kundenzufriedenheit wiederum bedeutet nicht nur Steigerung von Markenwert und Abverkauf, zufriedene Kunden kommunizieren dies auch und realisieren damit die positive Effekte von Mundpropaganda und viralem Marketing.

8. Welche weiteren Angebote an Echtzeit-Applikationen gibt es?
Das populärste Micro-Blogging-Tool ist sicherlich Twitter. An Alternativen sind zu nennen: deutschsprachig baluuu, frzr, wamadu, plitter, Plappadu, englischsprachig Pownce, Jaiku, in den USA Dodgeball.

9. Was steht beim Twittern im Vordergrund?
Laut einer aktuellen Studie der Münchener Agentur Trnd steht beim Twittern nicht etwa der Unterhaltungs-, sondern der Informationsaspekt im Vordergrund. Rund 40 Prozent der befragten Teilnehmer gaben an, dass sie sich nicht primär zum Freizeit-Chat auf Twitter bewegen, sondern ganz gezielt zur Beschaffung, Verbreitung oder dem Austausch von Informationen.

10. Welche Zukunftsprognose lässt sich wagen?
Twitter ist ein Teil des Web 2.0 und damit logische Weiterentwicklung des interaktiven Prinzips, das den User als Impulsgeber und Mitgestalter einbezieht. Diese Entwicklung wird sich kaum nicht als kurzlebiger Trend entpuppen. Es ist daher anzunehmen, dass sich Twitter mit den Profilen seiner Nutzer weiterentwickeln wird. Die Verlagerung des Primärinteresses von Unterhaltung zu Information deutet einen solchen Prozess schon an. Eine Großzahl von Unternehmen, die das Tool erst noch für sich entdecken werden, prägen diesen Entwicklungsprozess entscheidend mit.

* * *

Weiterführende Links:
Ausführliche, gut kommentierte Liste twitternder Unternehmen
Twitternde Redaktionen Teil 1 und Teil 2 (via: viralmythen)
Kommentierte Übersicht von Mikro-Blogging-Diensten
30 Tipps zum erfolgreichen Twittern
Trnd-Umfrage: Auswertung und Blogauswertung mit Diskussion

Verwandte Artikel:
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Twitter in der Unternehmenskommunikation (mit den 9 wichtigsten Vorteilen des Micro-Bloggings)
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2 Kommentare

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Ines
24. September 2008

Sehr aufschlussreicher Artikel!

Pamela Moucha
29. September 2008

@Ines: Herzlichen Dank, empfehlen Sie ihn weiter!

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