Software-Neuheit: Das Handy als Info-Scanner
15. August 2008 | Pamela Moucha
Kleine Notizen via Mobile
Von den Erfindern selbst werden sie liebevoll als “virtual sticky notes” bezeichnet, was man vielleicht mit “virtuellen Post-Its” übersetzen könnte. Man denke an die kleinen gelben Klebezettelchen – wie geschaffen für schnell hingekritzelte, nichtsdestotrotz wichtige Infos: die Adresse des Restaurants, in dem man abends verabredet ist, die Öffnungszeiten des Beachclubs auf Ibiza, der Eintrittspreis für den Londoner Zoo…
Micro-Blogging via Mobile Phone
Forscher der Duke’s Pratt School für Ingenieurswissenschaften im nordenglischen Durham haben im Juni diesen Jahres erstmals eine neu entwickelte Applikation vorgestellt, bei der das Handy zum lokalen Informations-Scanner wird. Die Vision, so Romit Roy Choudhury, Leiter des Teams von Elektro- und Computertechnikern, die am Prototyp der Sticky Notes basteln, sei ein globales Social-Info-Netzwerk. Über diesen internetgestützten Micro-Blog sollen die mehr als drei Billionen Mobiltelefonbesitzer weltweit lokale Informationen in Echtzeit einspeisen und abrufen können.
Man stelle sich zur Illustration das Bild eines zentralen Servers vor, der mit unzähligen Tentakeln ausgestattet ist, an deren Ende jeweils ein Handy als Teleskop-Linse steckt. Eingespeist wird entweder aktiv, d.h. der Mobilebesitzer gibt zum Beispiel die Öffnungszeiten über den besagten Beachclub in sein Handy ein und macht sie damit für Ibiza-Fans auf der ganzen Welt verfügbar. Oder aber passiv, indem lokale Echtzeit-Informationen wie der Stau auf der Autobahn über Sensoren durch das Handy gescannt und jedem, den es interessiert, zur Verfügung gestellt werden.
Features aus Wikipedia, Facebook und GPS
In die Software-Applikation sind Features unterschiedlicher Anwendungen eingeflossen, angefangen mit distributed networks wie Wikipedia, social networks wie Facebook, aber auch Muster von Systemen zur geographischen Lokalisierung wie GPS oder WiFi. Ist der Prototyp lediglich auf das Nokia N95 zugeschnitten, so soll die ausgereifte Endversion einmal für jedes programmierbare Mobile Phone passen.
Drei Aspekte der “virtual sticky notes” sind, wie Roy Choudhoury aus dem Entwicklerteam einräumt, noch ausbaubedürftig. Ein technologisches Problem besteht im hohen Energieaufwand für GPS-Daten, die Handybatterien in Windeseile leeren, ein weiteres dreht sich um die Frage, warum ein Handynutzer freiwillig Zeit und Akku-Energie zur Verfügung stellen sollte, um wildfremde andere Handynutzer mit beliebig vielen Infos zu versorgen. Und der dritte kritische Punkt ist, wie immer, die Frage des persönlichen Datenschutzes.
Wenn diese Schwierigkeiten aber erst einmal wegentwickelt sind, dann sei das Potenzial des globalen Handy-Info-Teleskop-Netzes quasi “limitless”, schwärmt Roy Choudhoury. Bis dahin vielleicht doch die gelben Klebezettelchen?
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Weiterführende Links
PDF-Studie zum Micro-Blog via Mobile Phone
Zur Idee: PowerPoint-Präsentation der Pratt School of Engineering
Artikel in “News & Communications”
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