360° Wahlkampf: Obama spielt auf allen Kanälen
24. Oktober 2008 | Pamela Moucha
Obama auf Youtube, Obama auf MySpace, Obama auf Flickr – Der demokratische Präsidentschaftskandidat ist der erste, der das Kommunikationsmedium Internet systematisch und umfassend für seinen Wahlkampf zu nutzen weiß. Er präsentiert sich auf Facebook und twittert, was das Zeug hält. Mit persönlichen E-Mails lädt er auf seine Webseite ein, wo er in Videos seine politische Mission erläutert und auf Experten verlinkt, die für ihn sprechen.
Obamas neuste Entdeckung: die Werbefläche auf Plakatwänden in Video-Games!
Sie gehören zufällig zu einem der 21 Millionen Besitzer einer XBox 360, der stationären Videospielkonsole fürs heimische Freizeitvergnügen? Sie leben in Ohio, Florida, Iowa oder Colorado und interessieren sich – selbstverständlich – für den Wahlkampf? Dann brauchen Sie ab sofort weder Fernsehen noch Zeitung. Schnappen Sie sich einfach ihren Joystick und spielen Sie eine Runde Autorennen oder Football. Obama wird da sein und Sie direkt aus ihrem Wohnzimmer heraus zur Urne begleiten: “Early voting has begun”, so “voteforchange.com”. Dort können Sie sich dann online für die Wahl registrieren lassen.
Wahlwerbung via Video Game
Holly Rockwood, Pressesprecherin bei Electronic Arts Inc., dem Herausgeber des Videospiels “Burnout Paradise”, hat jetzt gegenüber dem Newsblog GigaOM bestätigt, was zuvor nur einige überraschte Videogamer gesichtet hatten: Ja, das Wahlkampagnen-Team von Senator Obama habe Werbefläche für In-Game-Advertising, sprich computerspielintegrierte Werbung im Auto-Rennspiel Burnout Paradise erworben.
In zehn Staaten – dem amerikanischen Wahlschlachtfeld, wie Shacknews es nennt – entdecken Videospieler den Präsidentschaftsanwärter auf großen Werbetafeln, sobald sie sich mit ihrer XBox 360 Konsole Updates des Spiels aus dem Netz herunterladen. Die In-Game-Anzeigenkampagne wurde Anfang Oktober gestartet und läuft noch bis zum 3. November, dem Vorabend der US-Präsidentschaftswahl. Dies sei nichts Ungewöhnliches, liest man in einer weiteren Verlautbarung Holly Rockwoods auf shacknews.com, genauso wie in TV-Spots, Radio und Print platziere man auf diese Weise Wahlwerbung glaubwürdiger Kandidaten. Das ließe aber keinerlei Rückschlüsse auf die politische Couleur von Electronic Arts zu. Hier legt man Wert auf die Betonung der politischen Neutralität.
Zielgruppe: Männer zwischen 18 und 34
Ein wenig abwegig, könnte man im ersten Moment denken, ist diese Wahlkampfmethode. Bei genauer Betrachtung aber wird man feststellen, dass Obamas “spielerische” Werbemaßnahme pfeilscharf ins Schwarze trifft. Sie spricht genau die potenzielle Wählergruppe an, die über andere Medien mitunter schwer zu erreichen ist, wie die EA-Pressesprecherin den geschickten Winkelzug erklärt: “It reaches an audience that is typically hard to reach – young males, roughly 18 to 34.”
Einmal mehr macht Obama damit einen entscheidenden Vorteil vor dem Kandidaten McCain für sich geltend: Er ist jung und up to date. Während John McCain einräumt hat, dass er mit E-Mails nicht sonderlich viel am Hut habe (s. DiePresse.com), setzt Obama als erster Präsidentschaftskandidat der Geschichte das Internet als integralen Bestandteil seines Wahlkampfes ein.
Obama wirbt und warnt zugleich
Neben dem Car-Racing-Game “Burnout Paradise” ist der Senator aus Illinois auch im Football-Spiel “Madden 09″ und, wie bei GameSpot zu lesen, in 16 weiteren Videospielen zu finden. Dabei hatte er doch im Februar in Wisconsin erst mit erzieherischem Impetus für ein videofreies Kinderzimmer geworben und an das elterliche Gewissen appelliert, “turn off the television set, and put the video games away” (s. Kotaku.com). Es kommt wohl immer darauf an, von welchem Standpunkt aus man die Welt der Videogames gerade betrachtet.
Apropos Gaming: Nicht nur Barack nutzt das Spiel als Plattform für seine Wahlkampfzwecke, auch diese nutzen ihn: Barack, der Spieler. Als Cartoon-Männchen mit imposantem Six-Pack hechtet er im Wettrennen ums Weiße Haus an der heulenden Hillary vorbei und boxt tapfer gegen McCain um den Präsidentensessel. Im Ring geschickt tribbelnd, setzt er elegante Kinnhaken, überzeugt durch raffinierte Ausweichmanöver und federleicht geführte Haken. Aber auch McCain hat Kondition und Widerhaken aufzubieten.
Warten wir also ab, wer am 4. November den entscheidenden KO-Schlag erntet.
Bildnachweise:
1) Obama on XBox 360, Quelle: GigaOm
2) Obama-Punch, Quelle: “Obama versus McCain”
Weiterführende Links:
Obama bei Facebook
Obama bei YouTube
Obama bei MySpace
Obama bei Flickr
Schon früh war klar: “Barack boomt im Internet” (SPIEGEL ONLINE, 11.02.2008)
Buch zum Thema: Tobias Moorstedt, “Jeffersons Erben. Wie die digitalen Medien die Politik verändern”, edition suhrkamp 2008-10-24
Obama-Games
“Obama versus McCain”
“Race for the Whitehouse” (da kämpft er noch gegen Hillary)
“Commander n’ Chief”
web and variants | Change - You can believe in! (5. November 2008)
Barack Obama: Wahlsieg dank systematischem Website-Testing? » Testland-Blog (10. November 2008)
27. Oktober 2008
fine flavored and funny – shr schön Frau Moucha – weiter so!
Grüße aus dem hohen Norden
stm
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