Und Jerry? – Zukunftsprognosen für Yahoo und seinen scheidenden Chef
18. November 2008
Kaum ist es amtlich, da schnellen schon die Börsenkurse in die Höhe. Am Montagabend hat Yahoo den bevorstehenden Rücktritt seines Konzernchefs Jerry Yang bekannt gegeben – unmittelbar darauf stieg der Kurs der Yahoo-Aktie an der New Yorker Börse um 4 Prozent, wie FAZ.net meldet.
Bei BÖRSE ONLINE hält man diese Umstände für “seltene Glücksmomente”. Die Rückzug-Ansage erfreut also Aktionäre, Analysten und Investoren ganz besonders. Aber: Was wird aus Yahoo? Haben die 10 Prozent der weltweit um ihre Stelle fürchtenden Mitarbeiter auch Anlass zu Heiterkeit? Oder bleibt das sinkende Schiff ein sinkendes?
Entwürfe für Yahoos Morgen
Verschiedene Szenarien kursieren. Einigen Stimmen zufolge ist nun ein neues Übernahmeangebot durch Microsoft durchaus wieder denkbar. Microsoft-CEO Steve Ballmer indessen dementiert offenbar alle Mutmaßungen, die in diese Richtung weisen. Anderen Berichten zufolge gibt es erste Balzversuche Yahoos in Richtung des Internetportals AOL im Hinblick auf fusionäre Bewegungen.
Ein Vorschlag von Handelsblatt.com sieht die Heirat des Suchmaschinenbetreibers mit Mobilem vor und lautet: Nokia. Denn, so die Begründung: “Nokia braucht das Web und Yahoo braucht Telefone”. Ansonsten klingen die Prognosen für den Internetkonzern eher düster: Es ändere sich nichts, ob mit oder ohne Yang, und wenn überhaupt, dann könne es nur noch schlimmer werden. Ob Werberezession, Web2.0-Präsenz oder Cloud-Computing, die Wettbewerber und Konkurrenten Amazon, Microsoft, Google und Apple haben die Nase vorn, während Yahoo zunehmend chancenlos zurückbleibt.
Trübe Aussichten auf harte Zeiten also für das Unternehmen, das binnen weniger Monate von weit über 40 Milliarden Dollar gebotenem Kaufwert durch Microsoft um 60 Prozent im Laufe der letzten zwölf Monate auf gerade noch rund 14 Milliarden Dollar Börsenwert zusammengeschrumpft ist.
Die Gründerfigur geht … und bleibt
Und wie gestaltet sich die nähere Zukunft des Yahoo-Mitbegründers Jerry Yang, der doch erst im Juni des vergangenen Jahres wieder an die Spitze des schwächelnden Internetgiganten (weltweit noch immer die Nummer 2) zurückgekehrt ist, um zu retten, was damals vielleicht tatsächlich noch zu retten war? Auch das Morgen des Noch-Vorstandschefs gibt Anlass zu Spekulationen, Befürchtungen und gar Empfehlungen:
1. Getreu nach Trude Herr, der großen kölschen Lady Abschied von der Bühne – Niemals geht man so ganz / irgendwas von mir bleibt hier – ist also auch Jerry Yangs Abgang von der Yahoobühne kein ultimativer. Er bleibt als “Chief-Yahoo” statt “CEO” (und mit etwas gutem Willen reimt sich das sogar). Yang sitzt also nach wie vor im Verwaltungsrat, solange wenigstens, bis ein würdiger Nachfolger gefunden ist, und soll “auch künftig wichtige Aufgaben für Yahoo wahrnehmen”, wie Spiegel ONLINE mitteilt.
2. Getreu dem Moto “Wenn schon, denn schon”, würde die Empfehlung eher lauten: “Geh hin, Jerry, auf zu neuen Ufern!” – Und was würde sich da perspektivisch so auftun? – Einige mehr oder weniger attraktive Vorschläge konnte man heute schon vernehmen:
3. Statt Internetsurfen: Golf spielen. Meint der INQUIRER. Und wenn das auf Dauer zu langweilig werde, dann gebe es ja auch noch eine Menge hoffnungsvoller Startups, die durch einen Alten Hasen im Geschäft fachkundig beraten werden wollen.
Allerdings: Bevor man Herrn Yang als Coach auf junge Gründer losließe, sollte er vielleicht vorher einen kleinen Auffrischungskurs in strategischer Unternehmensführung belegen.
Pamela Moucha in Aktuell, Web-News | Permalink | 3 Kommentare
3 Kommentare zu "Und Jerry? – Zukunftsprognosen für Yahoo und seinen scheidenden Chef"
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19. November 2008 @ 09:52
[...] und immer mit der unumstösslichen Meinung, das beste und unverzichtbarste Individuum zu sein. Die Börsianer danken es Jerry Yang mit einem Kurssprung von 1,8 Milliarden US$, sein Nachteil wird es auch nicht sein, jetzt [...]
19. November 2008 @ 12:44
verpasste Chancen…. wenn ich mir überlege wieviel verpasste Chancen die Menschen im Leben hinter sich lassen. Der Typ hat doch alles geschafft, was man in einer so kurzen Schaffensphase überhaupt bewerkstelligen kann. Schade nur, dass je größer ein Unternehmen wird, desto weniger Verantwortung lastet auf einzelnen Personen. Jerry tritt einfach zurück, nach dem Motto “Nach mir die Sintflut” ist ja grad große Mode.
Irgendwie kotzt mich das an!
20. November 2008 @ 12:20
@Herr M. – Na, ob er sich das Gehen so einfach gemacht hat, wage ich doch zu bezweifeln. Nach dem verpatzten Deal mit Microsoft und dem geplatzten mit Wunschpartner Google ist der Druck, dem Jerry Yang etwa durch verärgerte Anleger ausgesetzt war, sicherlich enorm gewesen. – Und er geht ja wie gesagt nicht von heut auf morgen, sondern redet noch das ein oder andere gewichtige Wörtchen mit, wenn’s um die Frage seines Nachfolgers geht… Ob das jedoch so günstig ist?