It’s SEX that sells. Da kann die Philologin noch so heiß auf Wörter sein

20. November 2008

orlova_boobs_300.jpgWahrscheinlich ist es ganz egal, ob Marina Orlova, die schöne blonde Frau mit den zwei Hochschulabschlüssen in Philologie, über die Herkunft des Wortes Antidisestablishmentarianism spricht oder aus einer Studie zu den fatalen Folgen des Futterneids bei Riesenschildkröten referierte. – Wenn sie dabei bloß mit ihrem unnachahmlichen Augenaufschlag die glossyglänzenden Lippen ihres Schmollmunds schürzt und das Holz vor der Hütte schöööön weit in die Kamera hält…

Dann sind jedenfalls alle froh. Die, die was lernen und die, die nur gucken wollen.

Zunächst aber einmal ganz ohne Neid und Häme: Kompliment! Clevere Geschäftsmodelle, die funktionieren und durchschlagende Erfolge zeitigen, verdienen Respekt. Und Marina Orlovas Konzept ist ohne Frage ein veritables Erfolgsmodell.

Seit Anfang 2007 klärt die 27jährige gebürtige Russin auf dem YouTube-Kanal HotForWords.com in selbst gedrehten Videoclips über die Herkunft englischer Wörter auf. Sie tut das mit Lolita-Charme und tiefem Dekolleté und ist darüber binnen eines Jahres zur wahrhaftigen Internetberühmtheit avanciert.

Steile Karriere mit Erotik und Etymologie
Über 131 Millionen Mal wurden ihre zwei- bis fünfminütigen etymologischen Lehrstunden bereits angeklickt, bis zu fünf Millionen Abrufe erreichen die Clips mittlerweile pro Woche. New York Times Magazine und Moscow Times berichten begeistert über sie, und man ist sich einig: Auch wenn der Habitus der gebildeten Blondine eher dem eines Teenager-Pornostars gleicht, ist sie doch zugleich Symbol der Rettung und Hoffnung, Bewahrerin von nichts Geringerem als unser aller höchstem Gut – der Bildung. Moscow Times jedenfalls schwärmt, die habe es vollbracht, “Millionen von Menschen für den Ursprung der englischen Sprache zu begeistern”. Hat sie das?

orlova-ausschnitt_300.jpgKommentare wie der von fuglyucker2468 aus Großbrittanien “I think i would have paid more attention if you were naked ;-) ” sprechen da eher eine andere Sprache. Und wie oft sweetjummy auch beteuern mag, “I really enjoyed learning about the word!”, man möchte besser nicht so genau wissen, wie viele von Marina Orlovas Fans sich ihren täglichen Bildungsbeitrag anschaun: mit gedrückter Stummtaste und anderweitig unterlegtem Sound.

Für Bildung oder für Berühmtheit?
Im Interview mit Spiegel-ONLINE soll sie erklären, wie und warum sie “Sex nutzt, um Bildung zu vermitteln”. Eine interessante Zweckbestimmung. Sex für die Bildung also. Man könnte ein wenig skeptisch fragen, ob es nicht vielleicht eher heißen müsste: Sex… verkauft sich… noch besser mit Bildung!

Da wird die Bildung also zur Akzidenz im schönsten philosophischen Sinne. “Hinzukommendes”, von dem “abstrahiert werden kann, ohne dass sich das Wesen des Gegenstandes verändert” – It’s Sex that sells. Sicher ist jedenfalls: In diesem Falle ist Bildung wohl das raffinierteste Alleinstellungsmerkmal, das man je bei einem Pin-up-Girl entdeckt hat.

wordia_control_300.jpgBegriffe ohne Silikon-Balkon
Auf Newbook.de wird mit Wordia.com eine noch junge britische Videoplattform vorgestellt, auf der es auch um amüsante Vermittlung von Bildung geht. Hier erklären die bunt gemischten Mitglieder der Wörterbuch-Community die Bedeutung von Begriffen, die ihnen was bedeuten. So erläutert ein lockenköpfiger Rötzlöffel etwa, was “Snowboarding” ist und der Schauspieler Keith Allen verrät, was man sich wohl unter einem “Swashbuckler” vorzustellen hat. Frisch, frech und unterhaltsam – auch ganz ohne tiefes Dekolleté.

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Links:
HorForWords-Website
HotForWords auf YouTube
Wordia – We’re Redefining The Dictionary
Spiegel ONLINE-Interview mit Marina Orlova (19.11.2008)
Artikel in der Moscow Times

Bildnachweise:
1. Screenshot YouTube-Videoclip “Boobs”
2. Screenshot Ausschnitt www.youtube.com/hotforwords
3. Screenshot Ausschnitt www.wordia.com

Pamela Moucha in Aktuell, Viralmarketing | Permalink | Noch keine Kommentare

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