Der Feind der Innovation steckt in uns selbst.
10. Juni 2010 | Oliver Bargfeld
Die anspruchsvollste Aufgabe für jede Innovation ist, das Verhalten anderer Menschen zu verändern. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Innovation ein neues Produkt ist, ein neuer unternehmensinterner Ablauf, oder ein neues digitales Angebot. Die Innovations-Lieferanten streben stets nach dem Guten, denn schließlich ist es die Absicht, etwas zu verbessern, zu verschönern oder für eine Erleichterung zu sorgen. Trotz dieser guten Absichten ist es aber enorm schwierig, Innovationen einzuführen und umzusetzen.
Das US-amerikanische Marketingmagazin „Fast Company“ hat in einem Beitrag eine Studie präsentiert, die offenlegte, dass Selbstdisziplin, der Umgang mit Veränderungen, das Ausbrechen aus Routinen auf eine Energiequelle zugreift, die im Menschen nur begrenzt zur Verfügung steht. Ist diese ausgeschöpft, kommt es zu negativen Reaktionen wie sinkende Aufnahmebereitschaft, Ablehnung oder Gegenwehr.
Wie schwer kleinste Veränderungen zu verarbeiten sind, erfahren wir alle am eigenen Leib, da braucht man nur mal versuchen, den Wein am Abend oder die Schokolade zum Kaffee wegzulassen. Diese Studie zeigt nun, dass eine Energiequelle für Veränderungsprozesse in uns existiert, die je nach Veränderungsprozess schnell oder langsam verbraucht wird. Und je stärker die Quelle belastet wird, desto stärker wird der allgemeine Gemütszustand in Mitleidenschaft gezogen. Es geht sogar soweit, dass Faulheit nur eine Ausdrucksform von erschöpften Energiequellen sein soll. Zum Glück ist die Schlussfolgerung nicht gewagt, dass die Größe der Energiequelle von Person zu Person unterschiedlich ist – Steve Jobs´ Energiequelle für Veränderungen scheint unerschöpflich.
Die gute Nachricht dieser Studie ist, dass ablehnende Reaktionen im Umgang mit Veränderungen offensichtlich keiner Willkür unterliegen, sondern eine körperliche Ursache haben. Die schlechte Nachricht ist, dass die uns so bekannte Innovationsunfreude „organischer“ Natur ist und dabei jede pauschale Hoffnung auf Besserung nun sinnlos erscheint. Der Erkenntnisgewinn der Studie ist zwar nicht aufbauend, aber es macht deutlich, dass der Prozess zur Einführung der Innovation genauso wichtig ist, wie die Innovation selbst.
Das Fazit, das man ziehen sollte: Um Innovationen die größtmögliche Chance zu geben, müssen die wichtigen Regeln für erfolgreiche Innovationsprozesse noch viel nachhaltiger berücksichtigt werden:
- Die höchste persönliche Relevanz für die Notwendigkeit der Innovation schaffen
- Die überzeugendste Nutzenargumention für die Innovation liefern
- Die Bestätigung schaffen, dass das Neue richtig und besser ist als das Alte

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