Verliert das iPad gegen Tablet-PCs bei Zeitungen?
14. Juli 2010 | Horst Brandl
Tablet-PCs sollen die Lösung sein für die Zeitungsverleger. Allerdings bleibt die Skepsis gegenüber Apples iPad.
Wird Apple einlenken?
Das iPad wird kein Modell für die Zukunft sein, durch die Beschränkungen seitens Apple, die den direkten Kontakt mit dem Kunden reglementieren. Sofern die Verlage den direkten Kontakt zu den Kunden behielten, sei es möglich, die klassischen Geschäftsmodelle auf die Tablet-PCs zu übertragen.
Geschäftsmodell im Umbruch
Die Zeitungen finanzierten sich bisher aus zwei Drittel Anzeigenumsatz, ein Drittel Verkauf. Nun kehrt sich das um: Im Jahr 2009 wurden erstmals in der Nachkriegsgeschichte mehr Geld aus dem Verkauf der Zeitungen eingenommen als durch Anzeigen. Nun fahren die Bezahlschranken im Internet hoch: Die Verleger wollen nun vermehrt auf bezahlte Inhalte im Internet und Abonnements auf Tablet-PCs setzen.
Anzeigenumsatz sinkt drastisch
Seit dem Jahr 2001 sind die Einnahmen aus Anzeigen drastisch gesunken, hieß es auf einer Pressekonferenz des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger e.V. (BDZV) in Berlin. Wurden 2008 rund 4,4 Milliarden Euro aus den Anzeigen erlöst, so waren es 2009 nur noch 3,9 Milliarden. Der Vertrieb wuchs dagegen von 4,2 auf 4,3 Milliarden Euro, trotz Auflagenrückgang von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Einnahmen im digitalen Segment
Viele Firmen verkleinerten ihre Werbebudgets wegen der Wirtschaftskrise. Insbesondere der Handel – der wichtigste Anzeigenkunde der regionalen Zeitungen – leidet unter der konjunkturellen Flaute. Aldi, einer der größter Werber, kündigte an seine Anzeigen deutlich zu reduzieren, dafür auf Beilagen auszuweichen. Da der Branchenumsatz deshalb um sieben Prozent sank, läge die Branche auf dem Niveau von 1993. Nun erhoffen sich die Verlage vermehrt Besserung durch Einnahmen im digitalen Segment.
Künftiger Markt: Internet und Tablet-PCs
Einhellig ist die Meinung: Nutzer seien bereit für gute Inhalte zu zahlen. Deshalb erwarten die Verlage in zehn Jahren etwa 50 Prozent ihrer Einnahmen aus dem bezahlten digitalen Inhalten zu ziehen. Auch in mobilen Lesegeräten, wie den Tablet-PCs, sehen die Verleger eine Zukunft.
Außerdem sprach sich der BDZV erneut für ein Leistungsschutzrecht für Presseprodukte im Internet aus. Der Bundesverband weiß dabei Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf seiner Seite. Der entsprechende Gesetzesentwurf von ihr werde vom BDZV bereits im Herbst 2010 erwartet.

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