Es wächst und wächst und…
23. Juli 2010 | Horst Brandl
Sechs Jahre nach der Gründung hat das größte Online-Netzwerk der Welt die Grenze von eine halbe Milliarde Mitglieder übersprungen. Eine unglaubliche Zahl, ist es doch mehr Einwohner als alle EU-Staaten zusammen haben.
Harvard
Facebook sollte die Harvard-Studenten verbinden. Doch schnell wollten auch Studenten anderer US-Hochschulen die Website nutzen, dann ehemalige Kommilitonen und schließlich öffnete sich das Netz für alle. In atemberaubendem Tempo überzog das kostenlose Freundschaftsnetz die USA und dann die ganze Welt. In Deutschland war es, trotz nur in englischer Sprache angeboten, auch bald populär und vereint heute ca. 10 Millionen Menschen. Inzwischen gibt es 70 Lokalisierungen.
Exhibitionismus und Voyeurismus
Kostenlos, simple Bedienung, die Lust sich mitzuteilen, zu lesen was die Freunde machen – Kritiker würden sagen: Facebook ist die gelungene Mischung aus Exhibitionismus und Voyeurismus. Wie auch immer, trotz Kritik und Datenschutzbedenken, wächst Facebook nach wie vor rasant: Im Februar 2010 vermeldete das Unternehmen zum sechsten Geburtstag 400 Millionen Mitglieder, nur sechs Monate waren wieder 100 Millionen dazugekommen und die halbe Milliarde übersprungen.
Interessenten
Klar das eine solche Menge an Menschen die Werbeindustrie inspiriert. Vor allem, weil die Mitglieder freiwillig viele persönlichen Daten preis geben und sich damit klassifizierbar machen. Nach Interessen, Vorlieben, Aktivitäten aufgeschlüsselt ist der digitale Kundekreis der Werbeindustrie mehrere hundert Millionen Dollar wert, um Werbung auf deren Mitgliederseiten zu platzieren. Das ist einer der Hauptgründe warum das Unternehmen auf bis zu 15 Milliarden Dollar taxiert wird.
Kritiker
Aber Facebook hat auch Kritiker. “Du kannst keine 500 Millionen Freunde haben, ohne Dir ein paar Feinde zu machen”, heißt es im demnächst startenden Kinofilm “The Social Network”. Hauptgegner sind die Datenschützer. Sie bemängeln, dass Facebook allzu leichtfertig mit den Daten der Mitglieder umgeht. Mehrere Male wurde inzwischen bei den Privatspähre-Einstellungen nachgebessert. Doch Aussagen von Gründer Mark Zuckerberg, der Privatsphäre als ein generell überholtes Konzept bezeichnete und das seine Mitglieder sowieso darauf keinen großen Wert legen, lassen Datenschützer weiter kritisch auf das Unternehmen Facebook blicken.
Keine Virtualität ohne Realität
Den Nutzern der sozialen Plattform scheint es oftmals tatsächlich egal zu sein, was mit ihren Daten geschieht. Bedenken über die Privatsphäre sind nur gering. Die Lust an der Selbstdarstellung überwiegt. Nicht selten werden sie bei der nächsten Jobbewerbung mit der Realität konfrontiert, denn Personalchefs holen sich immer öfter auch Daten aus dem Internet über Bewerber.
No Limit
Für Zuckerberg ist die Wachstumsgrenze noch lange nicht erreicht: “Unser Ziel sind eine Milliarde Nutzer”. Die Chance dafür bezweifelt zurzeit niemand, nur über die Zeitspanne dafür gibt es unterschiedliche Meinungen.

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