Der völlig absurde Hype um Street View
17. August 2010 | active value
Ist Street View von Google wirklich der größte Eingriff in unsere Privatsphäre? Wenn man den Hype in der Presse betrachtet, dann ja. Vernachlässigbar ist Street View, wenn man sich ansieht, welche Datensammlungen sonst noch existieren, mit viel gravierenderen Eingriffen in unseren Datenschutz.
Die Relation
Was stört sie mehr? Wenn jemand die Fassade ihres Hauses betrachtet oder wenn jemand über den hohen Zaun in ihren Garten blickt? Sicherlich der Blick in den Garten. Aber diesen privaten Einblick haben Millionen bereits kommentarlos hingenommen: Googles Earth, Google Maps, Microsoft Live und weitere Dienste gestatten jedem bereits diese beeindruckenden Zoomfahrten ins private Idyll. Wo war der Aufschrei?
Street Views gibt es bereits
Oder ein Dienst wie Sightwalk. Er bietet nichts anderes wie Google Street View: Seit mehr einem Jahr können sie virtuell durch 7 Städte in Deutschland laufen und Häuserfronten betrachten, Leute sehen, sich ein tatsächliches Bild der Umgebung verschaffen.
Kritisierbar ist dies alles. Wer sein Haus nicht der Weltöffentlichkeit per Mausklick preisgeben will, soll eben Einspruch einlegen. Aber all das ist nichts gegen Elena.
Elena, das Datenmonster
Sie kennen Elena nicht? Macht nichts, Elena kennt sie jedenfalls sehr genau und wird sie immer besser kennenlernen – mit vielleicht ernsten Konsequenzen für ihr künftiges Leben.
Gläsener Arbeitnehmer
Seit kurzen muss ihr Arbeitgeber wesentlich mehr Daten als früher an die Rentenversicherung melden. Die Daten werden dort zentral gespeichert. Der Datensatz enthält ihr Gehalt, Fehltage, Abmahnungen und Kündigungen. Jeden Monat kommen neue Daten hinzu. Unter anderem: Adresse, Steuerklasse, Kinderfreibetrag, Einkommen, Anzahl der Arbeitsstunden, Kündigungen, allein acht verschiedene Gründe für Abwesenheit, Betriebsratszugehörigkeit, Teilnahme an Streiks. Sogar Freitextfelder kann der Arbeitgeber mit allem füllen, was er für notwendig erachtet — hier ist Tür und Tor für Denunzierung freigegeben.
Sie sind der Dumme
Der Nutzung seiner Daten muss man einmalig zustimmen und schon wird für mindestens zwei Jahre alles gespeichert. Sie erhalten eine Chipkarte, auf der alles enthalten ist, die sie aber nicht lesen können. Die Information, welche Daten explizit weitergegeben werden, erhalten sie nicht.
Wer hat laut Gesetz Zugriff auf die Elena-Daten? Im ersten Schritt ab 2012 vor allem die Bundesagentur für Arbeit. Ihr Arbeitsvermittler steckt die Karte ins Lesegerät und weiß deutlich mehr als früher von ihnen. Ab 2015 kommen noch die Krankenkassen, Pflegekassen, Studentenwerke, die Renten- und Unfallversicherungen, die Sozialämter hinzu.
Hat jemand die Karte sind alle Daten zugänglich. Ob die Daten für die jeweilige Stelle relevant ist oder nicht, spielt keine Rolle: Sie machen sich sofort vor jedem datentechnisch komplett nackt, der die Karte im Leser hat.
Datenschützer sind entsetzt
Datenschützer und Juristen fürchten dass auch andere staatliche Stellen, für die noch kein Zugriff vorgesehen ist, wie das Finanzamt oder die Polizei, ihr Interesse anmelden. Selbst Politiker heben mahnend den Zeigefinger, wie der Justizminister von Baden-Württemberg: “Ich garantiere Ihnen, alle Daten, die erhoben werden, werden hinterher für andere Zwecke genutzt, als es ursprünglich im Gesetz drinsteht. Das habe ich bisher in jedem Fall so erlebt und das hat mich eigentlich zu dem Punkt gebracht, dass ich heute sage, nur ein Datum, was nicht erhoben wird, ist wirklich geschützt.”
Ist Street View wirklich die Gefahr?
In Elena liegt eine wirkliche Gefahr für unseren Datenschutz. Dies ist nicht nur ein Blick auf unsere Hausfront, nicht nur ein Blick auf das Fenster, sondern in jeden Schrank, nahezu jedes Dokument in unserer Wohnung.

17. August 2010
Irgendwie will ich das nicht mehr lesen! Es gibt genug Gründe, gegen ELENA zu sein. Aber ständig wird der gleiche Blödsinn wiederholt:
Um verschiedenes richtig zu stellen:
1. Fehltage werden nicht in generell für ELENA gemeldet. Es geht “nur” um unbezahlte Fehlzeiten. Also niemand meldet z.B. Urlaubstage oder Kranktage vor Ablauf der 6-Wochen-Frist.
2. Nirgendwo wird bei ELENA nach der Betriebsratstätigkeit gefragt.
3. Die Freitextfelder werden nicht mehr ausgefüllt. Meldungen mit ausgefüllten Freitextfeldern werden abgewiesen. Die gleichen Angaben wurden übrigens auch in den Papierfragebögen für den Bezug von Arbeitslosengeld abgefragt.
4. Tatsächliche Arbeitsstunden werden nicht gemeldet, nur die vereinbarten Grundstunden.
5. Abmahnungen werden nicht gemeldet! Es gibt nur die Frage, ob im Falle einer Kündigung wegen des gleichens Sachverhaltes vorher eine Abmahnung erfolgte. Auch das eine Frage aus dem bisherigen Papierformular.
Man hat wirklich den Eindruck, dass hier einer vom anderen abschreibt und keiner sich mal tatsächlich mit den ELENA-Vorschriften auseinandersetzt. Für den Kampf gegen ELENA ist das aus meiner Sicht einfach kontraproduktiv. Warum sollen die für ELENA Verantwortlichen die ELENA-Gegner ernstnehmen, wenn sie immer wieder beweisen, daß sie im Grundsatz keine Ahnung davon haben?
Wie anfangs geschrieben, gibt es genug Gründe gegen ELENA zu sein. Aber mit den ewig gleichen falschen Behauptungen werden wir ELENA bestimmt nicht los.
23. März 2011
Es ist schon seltsam ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Hintergrund einge Deals abgelaufen sind. Finanzielle Mittel, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Länder verleihen können, wer weiss? Zumindest fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, nunmehr gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin
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